Monatsarchiv für June 2009

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Vorstellungen,mit denen aufgeräumt werden muß:

1.)Ich bin kein Luftballon!
Es gibt farbige Luftballons, bunte Krawatten und Röcke.
Menschen mit brauner Haut sind weder farbig noch bunt,
sie sind mehr oder weniger braun.
Genaugenommen sind alle Menschen farbig, weil ja jeder irgendeine Farbe hat. Es gibt keine farblosen Menschen.
Ich bin kein Luftballon!

2.) Afrika ist kein Land!

3.) Das Sperma dunkelhäutiger Männer unterscheidet sich weder in seiner Konsistenz noch in seiner Farbe von dem anderer Männer mit anderer Hautfarbe!

4.)Ich möchte Punkt 3 nie wieder erläutern müssen!

5.)Die Tatsache,dass ich Deutsch spreche ist nicht zu loben.
An jedem Tag,an dem ich Deutsch sprach,habe ich mich auch gewaschen und dafür wurde ich nie gelobt.

6.)Ich friere nicht!
Wenn ich friere,dann weil es schweinekalt ist. Keinesfalls aber, weil ich aus einem Land komme,indem ständig die Sonne scheint.
Ich komme aus Baden-Würtenberg,da wirds im Winter kalt!

7.)An wen immer es angeht:
Bitte hört auf dunkelhäutigen Menschen exorbitante sexuelle Leistungsfähigkeit zu unterstellen. Es ist nichts dran!
Es sorgt vielmehr für einen Leistungsdruck, dem zu begegnen keiner fähig ist,ohne vor Scham zu verzweifeln oder die Klappe,zur Vortäuschung falscher Tatsachen, extraweit aufzureißen.
Ähnliche Mechanismen gelten im Übrigen auch für das Tanzen und das Basketballspielen!

Geschrieben von admin am 5. June 2009 | Abgelegt unter Kurzgeschichten | 1 Kommentar

Dr. dent. 2

Ob ich das Spiel gestern gesehen habe, fragt er. Ich mache zwei ah-Laute zur Verneinung, denn es befinden sich drei Objekte in meinem Mund. Eines ist sein Finger, die anderen wurden vom Kinn her eingeführt. Ich könnte raten was es ist, lasse es aber.

Gott, ist der jung ! Ich meine, der ist in meinem Alter. Ich habe Schwierigkeiten meine Kontoauszüge zu lesen, ihm liegt meine dentale Zukunft in Händen. Er hat so was sportliches. Für wen hält der sich? Sitzt hier gegelt auf Drehhockern, mit den Fingern in fremden Mündern, redet über Sport- über Sport!- und ist höchsten dreißig.

Dynamische surfjuppies verhalten sich zu Zahntechnik, wie Kettenraucher zu Pyrotechnik.

Hier fehlt es an Besonnenheit, an Erfahrung.

„ Darf ich ausspülen ?“, frage ich gestisch.

„ Sie dürfen.“ sagter, und schmunzelt gefällig,“ aber ich habe eigentlich nur einen Blick hineingeworfen, es gibt also nichts auszuspülen.“ Ich spüle dreimal gründlich und verabschiede mich. Ich wusste, dass der Verlust meines Zahnarztes eine Odyssee nach sich ziehen würde.

Der Tip mit dem Kettenraucher-zahnarzt kam von einer Kollegin die mich nach einer Teamsitzung mit Arztgeschichten belästigte. Vor allem versuchte sie allen ernstes die Schwierigkeiten meiner Zahnarztsuche mit der nach einem geeignetem Gynäkologen zu vergleichen. Und fast hätte ich noch mal den Witz versucht, den mein Bekannter schon nicht lustig fand. Jedenfalls ist mir nun klar, dass es eher seine Erscheinung, als seine fachliche Kompetenz gewesen sein muß, die sie ihn mir empfehlen ließ.

Am zweiundzwanzigsten habe ich noch einen Termin, eine Kontrolluntersuchung bei einem anderen Dentisten. Es ist wie Hosenanprobieren an einem Samstagnachmittag bei H&M. Ich habe schon längst keine Lust mehr, doch die Suche nach all dem Aufwand erfolglos zu beenden, hinterließe nur Leere in mir. Der neu ist Ausländer. Malik, ohne Dr.- Titel.

Ein klares Indiz meiner Verzweiflung, dass ich ihn überhaupt aufsuche. Seine Sprechstundenhilfe trägt Kopftuch, was mir zuerst auffällt und mich überlegen lässt, ob das in Bayer durch ginge. Und wenn nicht, ob es sich bis zum BGH durchklagen ließe.

Die Einrichtung weißt keinen Hauch orientalisches auf. Überall stehen schwarze Ledermöbel auf weißen Fliesen. Es sieht aus wie bei einem deutschen Zahnarzt mit echtem Examen,.Deutsch oder nicht, ich werde hineingebeten- über Lautsprecher, was mir einen Applausschauer über den Rücken jagt. Könnte ich eines der beiden wählen, Schauspielen oder Musikmachen, ich würde immer Musikmachen wählen. Kein Schwein applaudiert Schauspielern vor oder während eines Auftrittes. Es gibt zwar Szenenapplaus, aber der nervt ungemein. Deutsche Theaterhäuser sind eben keine schwarzen Südstaaten- Kirchengemeinden. Weshalb in der Herz- Jesu Kirch auf der Roonstraße auch keiner beim Fürbittengebet aufspringt und ruft: „ Lord Jesus, thank you for being the head of my life!“

Legitimen Szenenapplaus bekommt man eben nur als Musiker, weshalb ich Musiker wählen würde.

Herr Malik ist mitte vierzig und hat unglaublich behaarte Unterarme. Das stört mich nicht. Er verbreitet Ruhe. Er verbreitet Gelassenheit. Er ist souverän. Er trägt weiß. Er hat Chancen bei mir ! Die Zahnarzthelferin ist ein Bild einer Frau. Kein Hangriff wirkt suchend, s „Vier Jahreszeiten“ rieselt vom Deckenlautsprecher auf mich herab. Wäre er Friseur und dies sein Salon, mir würde in diesem Moment Kaffee gereicht werden.

Er untersucht mein Gebiss gewissenhaft, legt seine Stirn in Falten und lässt sich, scheinbar unnötig, Besteck reichen, um es kaum gebraucht wieder aus der Hand zu geben. Ja, er hat Chancen bei mir.

Er sagt, es sei alles tadellos, soweit, behält dabei aber diesen forschenden Diagnostikblick. Dann sieht er auch die Uhr und verabschiedet mich mit Handschlag.

„Herr Doktor“, sage ich im Vorraum, „Herr Doktor, sie wohnen doch nicht in der Nähe, wenn ich fragen darf?“

„Aachen“, sagt er, indem er meine Akte beschriftet, „ ich pendle.“

Den nehm´ ich.

Omar´05

Geschrieben von admin am 5. June 2009 | Abgelegt unter Kurzgeschichten | Keine Kommentare

Dr. dent. 1

Ich habe meinen Zahnarzt getroffen, auf offener Straße !

Verdammt, er war gut, sehr gut. Ich denke er war der beste Zahnarzt den ich je hatte. Ich denke ich werde ihn nie wieder sehen. Er hat seinen Zauber verloren. Er war gekleidet wie ein normaler Mensch und hielt Händchen mit seiner Frau. Ganz ordinär.

Als wir uns letztens in seiner Praxis sahen, stimmte noch alles zwischen uns. Ich vertraute ihm zutiefst und er gebar sich wie ein Zahnarzt, wie mein Zahnarzt: unverständlich, weiß gekleidet und erhaben. Nun ist er ein Mensch, ein Händchenhalter, ein Straßencafesitzer.

Wir müssen uns trennen!

Ein Bekannter erzählte mir einmal, er habe den Gynäkologen seiner Frau in einer Tabledance-Bar gesehen. Am selben Abend auch im Bordell nebenan. Ich versuchte einen schlechten Witz, von wegen, das Hobby zum Beruf machen……………………………….

Er fand das verständlicherweise gar nicht komisch, konnte er seine Frau doch nicht veranlassen den Arzt zu wechseln, ohne dafür einen trifftigen Grund anzuführen. Nun wollte er partout für sich behalten, dass, und wichtiger noch, wo er ihn gesehen hatte. Kurz:

Sie geht immer noch zum selben Gynäkologen.

Doch zurück zu Dr…..; Es fällt mir immer noch schwer, seinen Namen zu nennen. Offen gesagt, er fehlt mir. Ein neues Verhältnis aufzubauen, ein neues Vertrauensverhältnis, zu einem neuen Zahnarzt, dieser Gedanke bereitet mir geradezu physischen Schmerz. Keinen Zahnschmerz, nein Bauchschmerz ( mein Internist heißt Tränkle, Dr.Dr. Tränkle, ein hervorragender Mann.). Der neue würde keines meiner Bedürfnisse, keine meiner Ängste kennen. Womöglich hat er gerade ausgelernt. Oder er ist einer von der Sorte, die ohne jede Vorwarnung in Urlaub fahren und an zweit-, drittklassige, jedenfalls suboptimale Kollegen verweisen. Per Zettel an der Tür ! Solch eine Zahnarztsuche kann sich ziehen.

Bei Bordell fiel mir gerade ein, dass Prostituierte, so hört man, selten in der selben Stadt wohnen und arbeiten. Die verquickung von Privat- und Arbeitsleben soll so vermieden werden. Niemand soll sehen, wie Chantal ohne Lack, Rotlicht und Push- up BH aussieht.

Möglicherweise gebe ich meinem Zahnarzt noch eine letzte Chance……………………..,

und einen Wink mit dem Zaunpfahl.

Omar ´05

Geschrieben von admin am 5. June 2009 | Abgelegt unter Kurzgeschichten | Keine Kommentare