Wie schon in „Ich bin kein Luftballon“ spielt Omar auch in den neuen Kurztexten humorvoll und satirisch mit den Stolpersteinen des Lebens als seien sie federleicht. Sami Omar kommt, um aufzuräumen: Mit falschen Vorstellungen vom Deutschsein, der Jugend eines Unbekannten und der Frage, ob Julia Holzapfel mit Zunge küsst. Ein Leseabend für lupenreine Demokraten und alle, die eine Julia Holzapfel hatten.

Auf das neue Buch darf man sich freuen, live aber ist der Autor für Freunde uneitler Satire ein Muss.


Antonella von Sami vorlesen lassen


Aktuelles


Schluss!

O.K., Folgendes: Ich möchte, dass wir alle damit aufhören, das Wort Authentizität zu gebrauchen. Ab sofort! Ich möchte, dass wir wieder echt oder wahrhaftig sagen. Nicht, weil ich etwas gegen Fremdwörter habe, sondern, weil keiner von uns – wirklich Keiner!- es schafft, Authentizität in einem angemessenen Tempo auszusprechen. Tom Buhrow kriegt das manchmal hin. Jürgen Wiebicke von WDR 5 auch. Aber das sind Sprecher. Profis. Ist es nicht peinlich wie wir vor dem Wort bremsen müssen. Haltung annehmen, um uns dann wackelig, wie in Pumps auf Kopfsteinpflaster durch das Wort zu balancieren? Wahrhaftig – klingt vielleicht nicht sophisticated, man kann es aber ohne Mühe aussprechen. Außerdem denkt dann keiner: „Hui, schlau, schlau – was der für Wörter kennt! Schade, dass er sie nicht aussprechen kann…“ Ich sag jetzt wieder wahrhaftig. Das wirkt authentischer.
Omar `12

Antonella

Antonella war in der Oberstufe und rauchte Zigarette. Schöner als sie fand ich nur April, die Mechanikerin von Michael Night. Nach Samsons Einschätzung war Antonella ein „Mc Hammer“. Eine Anspielung auf Mc Hammers Nr.1 Hit „ U can`t touch this“. So was fanden wir lustig. Manchmal lag ich in der Badewanne und dachte an sie. Ich stellte mir vor, wie wir uns in der großen Pause öffentlich küssen und die Blicke der Jungs mir Respekt zollten. Dann sang ich in falschem Italienisch Eros Ramazotti:

 

se sa basta una calzone

liba seta falone

se la feta miriba leone

kita leba lione

 

kosta kodi kosta kodie….

 

Um sie zu beeindrucken war ich bereit, mir einigen Ärger einzuhandeln. Ich besprach die Sache mit Niko und Philipp. Beide hatten sich mit Aufsehen erregenden Ereignissen in der Schüler Disko einen Ruf gemacht. Unser Plan war einfach: Wir würden in das Restaurant ihres Vaters gehen, bei ihr Alkohol bestellen und ihn vor ihren Augen trinken. Sie würde den Mann in mir sehen, der ich war und sich schließlich in mich verlieben.

Niko nahm den Autoschlüssel seines Vaters mit und legte ihn gut sichtbar auf den Tisch. Er hatte den Trick schon in der Videothek erfolgreich angewandt um Schmuddelfilme auszuleihen. Ein Profi!

Alkohol war kein Problem für mich. Ich hatte im Jugendhaus schon Colaweizen getrunken. In unseren Kreisen war es üblich, sich auf Partys immer ein wenig besoffener zu geben, als man war. Lauter lachen, ein bisschen schwanken und dann so was sagen wie:

„Junge, ich bin schon voll dicht. Aber des passt scho, net, dass du denksch, i muss kozen, oderso…“

Das Restaurante Roma in der Wengen Gasse sah teuer aus. An fast allen Tischen saßen Gäste. Oft ein Mann und eine Frau. Auf jedem Tischen stand eine große weiße Kerze umrahmt von Servierten die aussahen wie Vögel. Es verging keine Minute, bis Antonella an unseren Tisch kam. Sie trug eine weiße Bluse, durch die hindurch man ihren BH erkennen konnte. Er war schwarz. Bestimmt volle Absicht.

 

„Ach ihr seid´s. Wollt ihr nur was trinken, oder auch was essen?“

Sie reichte uns die Speisekarte.

„Wir schau´n erst mal rein.“, antwortete ich.

Alles klar!

Philipp wartete bis sie in der Küche verschwunden war, dann sagte er:

„Junge, die will dich voll. Hasch des gecheckt, wie die geguckt hat!?

Du darfsch jetzt nix falsch machen. Was trinksch jetzt ?“

 

Philipp hatte Colaweizen bestellt.  Niko Rotwein. Sein Vater war Zahnarzt.

Ich blätterte lange in der Getränkekarte, um etwas Passendes zu finden.

Es musste ein Getränk sein, das sagt: „Ja, ich bin ein Mann, aber ich kann auch genießen.“

Ich war ziemlich sicher, dass meine Wahl sowohl Extravaganz und als auch

Understatement hatte. Wie ein Trans Am, dem man nicht ansieht, dass er einen Turbo-Boost hat und sprechen kann.

 

Sie fragte etwas genervt, ob ich jetzt endlich weiß, was ich trinken will.

Ich senkte meine Stimme so gut es ging und spielte mit dem Autoschlüssel von Niko’s Vater.

 

Ich nehme einen San Pelegrino!

 

Sie lachte wie eine Mutter, deren Dreijähriger Vaters Schuhe angezogen hat.

Dann rief sie etwas auf italienisch in Richtung des Chefkellners. Auch er lachte.

Italien soll ein sehr schönes Land sein. Bis heute war ich nie dort

…. und werde es nie sein.

 

 

Omar `12

Sami und der Kölner Stadtanzeiger

http://www.ksta.de/html/artikel/1333640821832.shtml

Grüße !

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